Zur Einweihung der ersten Wachtberger Hütchenallee – gemeint ist die heutige Austraße – empfehle ich den Ohrwurm „Rot und Weiß“. Das sind die Farben, die nach Umsetzung der von der CDU Mehrheit beschlossenen „Variante 4“ die Austraße wohl dominieren werden.
Die Anwohner werden sich sicher schnell an das neue Leben auf ihrer Dauerbaustelle gewöhnen und schnell per Du mit den Mitarbeitern des Bauhof sein, die regelmäßig in der Austraße auf Hütchen suche unterwegs sein werden. Doch wer das Hütchen-Thema nicht so ernst nehmen möchte, kann aus der politischen Groteske immer noch ein gutes karnevalistisches Motiv für den „Zoch“ und erheiternden Stoff für kommende Büttenreden schöpfen.
Blicken wir einmal kurz zurück. Nachdem sich die Anwohner in einer früheren Bürgerversammlung eindeutig für eine Lösung ausgesprochen hatten, die die Anlieger nicht belastet, machte sich der jetzige CDU Fraktionsvorsitzende Günter Kurenbach zum Sprecher der Betroffenen. Ortsvorsteher Kurenbach, der die Austraße für ausreichend sicher hält, lehnt zwar generelle Ausbaumaßnahmen in der Austraße ab, fügt sich aber hier der Realität, dass die Strassenverkehrsbehörde des Kreises einen Ausbau fordert.
Und weil die Hütchenlösung von allen Wachtberger Bürgern über den Gemeindehaushalt getragen werden muss - und nicht nur von den Anwohnern der Austraße - ist dem CDU-Politiker Kurenbach diese Lösung sympathischer. Anwohner in anderen Kommunen hatten dieses Glück nicht. Nach Adendorf ist die Ortschaft Niederbachem der Ortsteil mit den wenigsten fertig ausgebauten Strassen in der Gemeinde. Derartige Strassen werden zudem auf Kosten der Allgemeinheit repariert und unterhalten.
Hoffentlich wissen die Anwohner der künftigen 1. Wachtberger Hütchen-Allee, was sie sich einhandeln. Geiz wird hier nicht Geil sein! Wer in den vergangenen Monaten am Tausendfüssler auf der A565 vorbei gefahren ist, der ahnt, wie die Hütchenlösung auf 900m aussehen wird und das mitten drin im Wohnbereich mit viel Fremdverkehr zum Sportplatz. Mit der Meinung, dass die 15 cm hohen Hütchen genauso sicher wie ein 10cm hoher Bürgersteig sind, stehen Befürworter wie Herr Kurenbach eher alleine da. Während das Hochboard einen rutschenden Pkw noch abhalten kann, sind die Hütchen so befestigt, dass sie bei Radberührungen weg brechen und im Straßenverlauf herumfliegen.
Der Bauhof hat dann die Dauer-Aufgabe, diese wieder einzusammeln und neu zu befestigen. Das belastet die Gemeinde-Steuerzahler nach Schätzung der Verwaltung mit etwa 5.500 € pro Jahr.
Doch schlimmer noch als diese unsinnige Geldausgabe ist das offenbar gewordene „Schwarze Peter Spiel“ – das hinter der Beschlussfassung der CDU steckt. Erzählten doch nach der Hütchen-Entscheidung verschiedene CDU Ausschussmitglieder, dass man Ihnen glaubhaft machen wollte, das Strassenverkehrsamt würde den Hutzauber eh nicht genehmigen. Doch die Taktik schlug fehl. Das Strassenverkehrsamt macht jetzt auf einmal mit. Nun kann es erst richtig teuer werden.
Das Strassenverkehrsamt jedenfalls wird die Frankfurter Hütesammlung in der Austraße mit vorgesetzten Argusaugen beobachten und prüfen, ob die wie Gummisargdeckel anmutenden Aufsteller als dauerhafte Lösung geeignet sind. Und wenn nicht? Dann fängt die Finanz-und Ausbau-Diskussion von vorne an. Und schlimmstenfalls kommt dann vermutlich doch noch zu einer umlagefinanzierten Ausbauplanung. Die Hütchen werden dann vermutlich auf dem Bauhof landen und als Mahnmal für eine verkorkste Finanzpolitik und Steuerverschwendung in Wachtberg dienen.
Dafr gibt es aber die Zusage von CDU-Fraktions-Chef Günter Kurenbach, dass jeder Ort - in ähnlicher Situation wie die Austrasse - dessen Unterstützung für eine eigene Hütchenlösung bekommt. Ist nur zu hoffen, dass der Hersteller der Frankfurter Hütchen dann die Produktion nach Wachtberg in den Gewerbepark verlegt und die Gemeinde von der Hütchen-Serienproduktion steuerlich profitiert. So könnte man dem optischen Grauen in der 1. Wachtberger Hütchenallee am Mehlemer Bach noch etwas Positives abgewinnen. Man muss nur fest dran glauben.
